Meerschweinchen – ein Streicheltier? Die Realität bei der Haltung

Unser Geheimtipp für dich ist unser beliebtes E-Book Kaninchenguide: Gesunde Landohrfütterung - kompakt.

Hier geht's zum E-Book Kaninchenguide

Die süßen Meerschweinchen sehen wirklich niedlich aus und aktivieren den Knuddel-Reflex in uns Menschen. Bei den kleinen Knopfaugen in Kombination mit einem runden Bauch, möchte man einfach schmusen und knuddeln.

Sind Meerschweinchen Streicheltiere? Meerschweinchen sind keine Kuschel- oder Streicheltiere. Berührungen mögen sie nicht, weder von Artgenossen, noch von Menschen. Zusätzlich können sie Stress nicht gut zeigen und werden aus diesem Grund oft falsch verstanden.

Dieser Artikel soll dir zeigen, wie du dein Meerschweinchen tiergerecht behandeln kannst und dabei nicht vergisst, dass dein Meerie ein eigenständiges Lebewesen ist – und kein Kuscheltier.

Große Knopfaugen, ein zugewandtes Wesen und diese Minibeinchen auf dem runden Körper, lassen keinen Zweibeiner kalt. Dabei ist streicheln gerade nicht das, was Meerschweinchen zum Glücklichsein brauchen.

Die Geister scheiden sich bei dem Thema Kuscheln: wir finden, dass man die Tiere streicheln kann, wenn man sich an einfache Regeln hält. Mehr dazu in unserem Artikel!

Wie sich Stress bei Meerschweinchen äußert

Unseren Meerschweinchen stecken ihre Vorfahren noch immer im Verhalten. Sie sind und bleiben Fluchttiere, die bei Gefahr den Ausweg in der Flucht und nicht im Angriff sehen.

Das kann bei der Beobachtung manchmal falsch interpretiert werden, denn Stress und Angst sieht man ihnen erst auf den zweiten Blick an.

An folgenden Merkmalen kannst du Stress bei Meerschweinchen erkennen. Viele dieser Punkte treten in unterschiedlicher Ausprägung auf und können bei deinem Schweinchen mehr oder weniger stark vorkommen:

  • Große, weit aufgerissene Augen (weiter unten ein Beispiel unserer schreckhaften Meerie-Dame Debby, wo du das gut sehen kannst)
  • schnellere Atmung und sichtbarer, schnellerer Herzschlag
  • eingefrorenes Meerschweinchen: es bewegt sich nicht mehr und erstarrt
  • Kopf wird hervorgereckt und das Schweinchen steht auf den Vorderbeinen, um etwas mehr Überblick zu bekommen
Debby hat etwas gehört, was ihr nicht behagt. Sie ist erstarrt, hat weit aufgerissene Augen und reckt ihren Kopf nach oben. Kann sie keine Gefahr ausmachen, zeigt sie dieses Verhalten nicht mehr – ist ihr das alles zu unheimlich, sucht sie Schutz in einem Häusschen.

Vor allem das Erstarren, als Ausdruck von Angst und Stress, wird oft fehlinterpretiert. Sollte dein Meerie ganz ruhig bei dir im Arm liegen und vermeintlich entspannt sein, kann es auch erstarrt sein und damit Stress haben.

Um das Streicheln für dein Meerschweinchen möglichst entspannt und ruhig zu gestalten, ist ausreichend Vertrauen am wichtigsten. Pflegst du einen vertrauensvollen Umgang und gibst deinem kleinen Nager genügend Zeit, sich an dich zu gewöhnen, hat er weniger Stress.

Urlaub mit dem Nager zusammen klingt für dich nach Entspannung, für dein Meerie ist ein Ortswechsel mit großem Stress verbunden. Lies hier mehr dazu: Mit dem Meerschweinchen in den Urlaub fahren: ein Erfahrungsbericht.

Wie du Vertrauen aufbauen kannst

Streicheln lassen sich Meerschweinchen, wenn sie dir genügend Vertrauen entgegenbringen. Dazu ist eine große Portion Vertrauen aber auch genügend Zeit, um dieses aufzubauen, notwendig.

Vertrauen führt bei Meerschweinchen auch durch den Magen. Am einfachsten kannst du sein Vertrauen gewinnen, indem du es aus der Hand fütterst.

Gerade am Anfang, wenn du dein Meerschweinchen noch neu hast, braucht es meist etwas Zeit, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Das ist ganz normal und dauert von Schweinchen zu Schweinchen unterschiedlich lange.

Einige grundlegende Regeln im Umgang solltest du beachten, die dir das Vertrauen schneller sichern und dein Meerschweinchen nicht zusätzlich verunsichern:

  • Nicht von oben nähern: Alle Bewegungen, die direkt von oben kommen, sind angsteinflößend. In freier Wildbahn war dies zum Beispiel ein Adler, der von oben seine Beute greift. Imitiere diese Situation nicht und nähere dich immer auf Augenhöhe.
  • Keine lauten und hektischen Bewegungen: Ruhige und gleichmäßige Bewegungen irritieren dein Meerschweinchen nicht. Auch laute Geräusche verursachen Angst und sollten beim Aufbau des Vertrauens vermieden werden.
  • Nicht jagen: Vor allem Kinder spielen Fangen und jagen das Meerschweinchen unbeabsichtigt. Dies sollte auf keinen Fall gemacht werden und Kinder sollten wissen, wie sie mit einem Meerschweinchen umgehen sollen. Weiterlesen: Was bedeutet es, wenn sich Kastrat und Weibchen jagen?
  • Artgerechte Gehegegestaltung: Als Fluchttier benötigt dein Meerschweinchen viele verschiedene Versteckmöglichkeiten. Liegen die Häusschen zu weit auseinander, wird sich dein Meerie zu Beginn nicht hinaustrauen. Stell die Unterschlüpfe nah beieinander auf, um deinem Meerschweinchen ein Sicherheitsgefühl zu geben.

Für unsere Meeries haben wir uns ein tolles Versteckhaus von AniOne* geholt. Sie wollten dort gar nicht mehr wieder herauskommen, so gemütlich fanden sie es dort.

Hast du ein noch junges Meerschweinchen, solltest du sofort mit dem Vertrauensaufbau beginnen. Du musst nicht abwarten, bis dein Meerschweinchen ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Aus unserer Erfahrung werden die Meeries zahmer, wenn sie von Anfang an meerschweingerecht behandelt und angesprochen werden. Das ist das Füttern aus der Hand, das regelmäßige aus dem Gehege nehmen, um die Krallen zu schneiden und den Gesundheitszustand zu kontrollieren sowie kurzes Streicheln und auf dem Arm halten.

Wie du jetzt weißt, sind Meerschweinchen keine Streicheltiere. Wie du trotzdem mit ihnen kuscheln kannst, zeigen wir dir in unseren Do’s und Dont’s:

Meerschweinchen streicheln: die Do’s and Dont’s

Dein Schweinchen kannst du streicheln und den Stress für es möglichst gering halten, wenn du dich an unsere Tipps hälst. Die folgenden Punkte sind einzuhalten, wenn du deinem Meerie eine entspannte und stressreduziertere Interaktion mit dir ermöglichen möchtest:

  • Bedränge dein Meerschweinchen niemals. Sollte es sich wehren, übergehe dieses Anzeichen von Flucht und Stress nicht. Versuche, sein Vertrauen schrittweise zu festigen, indem du nur so weit gehst, wie es dein Meerschweinchen zulässt.
  • Verwechsle Entspannung nicht mit dem Erstarren deines Meerschweinchens. Auch wenn dein Meerie erstarrt und vermeintlich entspannt alles mit sich machen lasst, kann es Stress haben. Sieh dir seine Körperhaltung an: aufgerissene Augen, eine schnellere Atmung und Bewegungslosigkeit deuten auf großen Stress – dein Meerie ist vor Angst erstarrt und nicht entspannt! Bei sehr ängstlichen Tieren hilft nur ein langsames Vorgehen: beginne mit dem Füttern aus der Hand.
  • Biete deinem Meerschweinchen beim Streicheln Sicherheit. Dies kannst du durch eine stützende Hand tun oder indem du dein Meerie beim Sitzen zwischen deine Beine legst, dort ist es geschützter und fühlt sich nicht wie auf einem offenen Feld.
  • Integriere vorsichtige Berührungen beim Füttern aus der Hand. Hier wird dein Meerschweinchen am besten zahm und duldet das gelegentliche Streicheln.
  • Meerschweinchen können Höhen nicht abschätzen. Springen sie von deinem Arm, können sie sich sehr verletzen. Sie können Höhen nicht einschätzen und sollten durch richtiges Tragen dieser Gefahr nicht ausgesetzt werden. Trägst du dein Meerschweinchen, halte es immer mit beiden Händen fest. Weiterlesen: Können Meerschweinchen klettern?

Beim Thema Streicheln sind die Meerschweinchen sehr unterschiedlich, wir haben Debby, die sehr scheu war und Berührungen nicht mochte. Aus dem gleichen Wurf und vom gleichen Züchter die Schwester Daisy: ein sehr aufgewecktes und interessiertes Meerie, dass sich schnell streicheln ließ.

Daisy (vorne) ist sehr zutraulich und lässt sich ohne Probleme streicheln. Bei Debby (hinten) mussten wir mehr Vertrauensarbeit leisten.

Warum Meerschweinchen keine Streicheltiere sind

Ja, sie sehen sehr süß aus, haben dieses putzige Wesen und lassen dein Herz schmelzen. Trotz allem solltest du ein Meerschweinchen als eigenständiges Lebewesen sehen, auch, wenn es den Beschützerinstinkt in dir weckt.

Streicheln kann man Meerschweinchen, wenn man auf ihre Bedürfnisse achtet. Wichtig ist, dass sie zu dir genügend Vertrauen aufbauen können und du die Streichelzeit in einem vertretbaren Rahmen hälst.

Extra Tipp:

Du kannst neben dem herkömmlichen Heu auch eine Portion getrocknete Kräuter, zum Beispiel Löwenzahn anbieten. Legst du außedem noch Wert auf getreidefreie Fütterung, ist das Löwenzahn von MultiFit* genau das richtige für dich.

Bei der wöchentlichen Kontrolle nimmst du dein Meerschweinchen aus seinem Gehege, kannst es wiegen, seine Krallen schneiden und kontrollierst seinen Gesundheitszustand. Wie oft du das Gehege deiner Meerschweinchen sauber machen solltest, kannst du hier nachlesen. Extra-Tipp: Schon mal was von der Fleecehaltung für Meerschweinchen gehört? Wir halten unsere Meeries genau so und können dir berichten, welche Vor- und Nachteile sich ergeben.

Dabei kannst du Streicheleinheiten einfließen lassen: du wirst aber schnell merken, dass dein Meerie immer wieder froh ist, wenn es zurück in sein Gehege darf.

Greife es nicht direkt von oben, mach keine lauten und hektischen Bewegungen und trage es immer mit zwei Händen. So schaffst du eine sichere Umgebung, bei der du dein Meerschweinchen auch zwischendurch Streicheln kannst.

Du suchst noch nach einem knuffigen Meerienamen für deine Haustiere? Hier geht’s zur ultimativ süßen Namensliste für Meerschweinchen Böckchen und Weibchen.

Unser Geheimtipp für dich ist unser beliebtes E-Book Kaninchenguide: Gesunde Landohrfütterung - kompakt.

Hier geht's zum E-Book Kaninchenguide